Wie wählt man die passende DSGVO-Software aus?
Der Markt für DSGVO-Software ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Unternehmen können heute aus zahlreichen Lösungen mit unterschiedlichen Funktionen, Preismodellen und Spezialisierungen wählen.
Um die passende Plattform zu finden, lohnt sich ein strukturierter Auswahlprozess. Entscheidend ist nicht nur der Funktionsumfang, sondern auch, wie gut sich die Software in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lässt und ob sie mit den Anforderungen des Unternehmens wachsen kann.
Schritt 1: Anforderungen definieren
Bevor Unternehmen verschiedene Anbieter vergleichen, sollten sie zunächst ihre eigenen Anforderungen definieren. Datenschutz betrifft mehrere Bereiche im Unternehmen. Deshalb lohnt es sich, verschiedene Perspektiven früh einzubeziehen.
Typischerweise gehören dazu:
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Datenschutzbeauftragte, die die rechtlichen Anforderungen bewerten
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IT-Teams, die die technische Integration prüfen
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HR-Abteilungen, die personenbezogene Mitarbeiterdaten verwalten
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Management oder Compliance-Verantwortliche, die strategische Ziele festlegen
Gemeinsam lässt sich klären, welche Aufgaben die Software im Alltag unterstützen soll. Für einige Unternehmen steht vor allem die strukturierte Dokumentation im Vordergrund. Andere legen besonderen Wert auf Risikomanagement, DSAR-Workflows oder Audit-Reporting.
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Schritt 2: Funktionen vergleichen
Im nächsten Schritt lohnt sich ein genauer Blick auf die Funktionen der verschiedenen Lösungen. Entscheidend ist weniger die Anzahl einzelner Features, sondern wie gut sie sich im Unternehmensalltag nutzen lassen.
Eine hilfreiche Orientierung bietet der Vergleich zentraler Funktionsbereiche:
| Funktionsbereich |
Bedeutung für Unternehmen |
| Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten |
Strukturierte Dokumentation aller Datenverarbeitungen gemäß Art. 30 DSGVO |
| Risikomanagement |
Unterstützung bei Datenschutz-Folgenabschätzungen und Risikobewertungen |
| DSAR-Management |
Workflows zur Bearbeitung von Betroffenenanfragen innerhalb gesetzlicher Fristen |
| Dokumentation von TOMs |
Nachweis technischer und organisatorischer Schutzmaßnahmen |
| Reporting und Auditberichte |
Überblick über den Compliance-Status und Export für Prüfungen |
Unternehmen sollten besonders darauf achten, wie intuitiv diese Funktionen umgesetzt sind. Eine übersichtliche Benutzeroberfläche und klar strukturierte Prozesse erleichtern die Nutzung im Alltag erheblich.
Usability im Arbeitsalltag prüfen
Datenschutzsoftware wird selten ausschließlich vom Datenschutzbeauftragten genutzt. Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen übernehmen interne Datenschutzverantwortliche die Aufgabe häufig zusätzlich zu ihrem Tagesgeschäft oder arbeiten mit externen Datenschutzbeauftragten zusammen. Gleichzeitig liefern Fachabteilungen wie Marketing, HR oder IT wichtige Informationen für das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten, Risikobewertungen oder Betroffenenanfragen.
Deshalb reicht eine lange Funktionsliste allein nicht aus. Die Lösung sollte sich ohne umfangreiche Schulungen in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Nur dann entstehen vollständige und aktuelle Dokumentationen.
Bei der Bewertung einer Software helfen folgende Fragen:
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Wie viele Schritte braucht eine neue Verarbeitungstätigkeit im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten (VVT)?
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Können Fachabteilungen ohne Schulung eigene Einträge pflegen?
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Sind Risikobewertungsfragebögen auch für Nicht-Juristen verständlich aufgebaut?
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Gibt es ein geführtes Onboarding oder startet der Nutzer mit einer leeren Oberfläche?
Je einfacher Mitarbeitende Informationen erfassen und aktualisieren können, desto höher fällt in der Regel die Akzeptanz der Lösung im Unternehmen aus.
Automatisierungstiefe bewerten
Viele Anbieter werben mit automatisierten Datenschutzprozessen. In der Praxis lohnt sich jedoch ein genauer Blick auf den tatsächlichen Automatisierungsgrad. Häufig digitalisiert eine Software bestehende Dokumentationsprozesse lediglich. Echte Automatisierung geht einen Schritt weiter und stößt Aufgaben oder Workflows selbstständig an.
Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung:
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Automatisierungsgrad
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Merkmal
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Beispiel
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Keine Automatisierung
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Reine Dokumentenablage
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PDF Upload ohne Workflow
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Teilautomatisierung
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Erinnerungen und Fristen
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Automatische E Mail bei Fristablauf
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Tiefe Automatisierung
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Auslösende Workflows
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Ein neues Unternehmenssystem löst automatisch eine Risikobewertung aus
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Bei Anbietergesprächen sollten Unternehmen gezielt nachfragen:
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Aktualisiert sich das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten automatisch, wenn neue Systeme eingeführt werden?
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Werden Aufgaben und Verantwortlichkeiten automatisch den zuständigen Personen zugewiesen?
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Läuft die Risikobewertung eigenständig anhand definierter Regeln oder ausschließlich durch manuelle Eingaben?
Diese Fragen helfen dabei, den Unterschied zwischen digitaler Dokumentation und echter Prozessautomatisierung sichtbar zu machen.
Eignung für Risikobewertungen und Breach Response prüfen
Risikobewertungen und die Reaktion auf Datenschutzverletzungen zählen zu den Bereichen, in denen Software den größten praktischen Nutzen schaffen kann. Daher sollten Unternehmen nicht nur prüfen, ob entsprechende Funktionen vorhanden sind, sondern auch, wie gut sie die täglichen Abläufe unterstützen.
Folgende Kriterien bieten eine hilfreiche Orientierung:
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Kriterium
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Worauf achten?
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Risikobewertung
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Geführte DPIA Fragebögen, automatisches Risiko Scoring und nachvollziehbare Entscheidungshistorien
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Meldepflicht bei Datenschutzverletzungen
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Automatischer 72 Stunden Countdown, Eskalationsworkflows und vorbereitete Meldeformulare
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Nachweisdokumentation
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Zentrale und auditfähige Speicherung aller Schritte
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Anbindung an IT und Security Systeme
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Schnellere Erkennung durch Integration mit bestehenden Monitoring Lösungen
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Weitere Informationen zu Datenschutz Folgenabschätzungen und Risikomanagement finden Sie im Abschnitt „Risikomanagement und Bewertungen“. Bei der Auswahl der Software steht an dieser Stelle vor allem die Frage im Fokus, wie konsequent der Anbieter die Abläufe unterstützt und dokumentiert.
Eine leistungsfähige Lösung hilft dabei, Risiken frühzeitig sichtbar zu machen, Fristen im Blick zu behalten und alle erforderlichen Nachweise für interne Prüfungen oder Audits zentral bereitzustellen.
Schritt 3: Sicherheit und Hosting prüfen
Da DSGVO-Software selbst sensible Informationen verarbeitet, spielen Sicherheits- und Hosting-Aspekte eine wichtige Rolle.
Es kann zum Beispiel sinnvoll sein, darauf zu achten, dass die Plattform innerhalb der Europäischen Union gehostet wird, um datenschutzrechtliche Anforderungen leichter erfüllen zu können. Auch technische Schutzmaßnahmen wie Zugriffskontrollen, Verschlüsselung oder rollenbasierte Berechtigungen sind zentrale Kriterien bei der Auswahl.
Darüber hinaus lohnt sich ein Blick auf vorhandene Zertifizierungen oder Sicherheitsstandards. Sie geben Hinweise darauf, wie strukturiert der Anbieter seine eigenen Sicherheitsprozesse organisiert.
Schritt 4: Support und Expertenzugang bewerten
Neben der Software selbst spielt auch die Unterstützung durch den Anbieter eine Rolle. Datenschutzprozesse entwickeln sich weiter, neue regulatorische Anforderungen entstehen und interne Strukturen verändern sich.
Unternehmen können daher von Anbietern profitieren, die neben der Plattform auch fachliche Unterstützung und strukturiertes Onboarding anbieten. Ein klarer Einführungsprozess hilft Teams dabei, die Software schnell produktiv zu nutzen und bestehende Dokumentationen sinnvoll zu migrieren.
Langfristiger Support kann außerdem hilfreich sein, wenn neue Anforderungen entstehen oder Prozesse angepasst werden müssen. Unternehmen sollten daher prüfen, welche Supportmodelle angeboten werden und wie gut sie zu den eigenen Ressourcen passen.