Die Anforderungen der ISO 9001 nach Kapiteln
Die Tabelle zeigt Ihnen auf einen Blick, welche Nachweise Auditoren je Kapitel typischerweise sehen wollen. Darunter erklären wir die Kapitel 4 bis 10 im Detail.
Kapitel |
Erwarteter Nachweis |
4 Kontext der Organisation |
Kontextanalyse, dokumentierter Anwendungsbereich |
5 Führung |
Qualitätspolitik, Organigramm mit Verantwortlichkeiten |
6 Planung |
Risiko- und Chancenregister, Ziele mit Maßnahmenplan |
7 Unterstützung |
Qualifikationsnachweise, Kalibriernachweise |
8 Betrieb |
Lieferantenbewertungen, Freigabenachweise |
9 Bewertung der Leistung |
Auditberichte, Protokoll der Managementbewertung |
10 Verbesserung |
Korrekturmaßnahmen mit Wirksamkeitsprüfung |
Kapitel 4: Kontext der Organisation
Kapitel 4 legt das Fundament Ihres QMS. Zuerst bestimmen Sie die internen und externen Themen, die Ihre Ergebnisse beeinflussen, etwa neue Kundenanforderungen oder Fachkräftemangel. Seit der Amd 1:2024 prüfen Sie zusätzlich, ob der Klimawandel für Ihre Organisation relevant ist.
Im nächsten Schritt ermitteln Sie die interessierten Parteien und deren Anforderungen. Dazu zählen Kunden und Lieferanten, aber auch Behörden oder Ihre Mitarbeitenden.
Daraus leiten Sie den Anwendungsbereich des QMS ab. Er beschreibt, welche Standorte und Leistungen das System umfasst. Wenden Sie eine Anforderung nicht an, etwa weil Sie keine eigene Entwicklung betreiben, begründen Sie das schriftlich.
Zum Schluss beschreiben Sie Ihre Prozesse und deren Wechselwirkungen. Für jeden Prozess legen Sie Eingaben und Ergebnisse fest und benennen eine verantwortliche Person. Die Kontextanalyse überprüfen Sie am besten jährlich in der Managementbewertung.
Kapitel 5: Führung
In Kapitel 5 nimmt die Norm die oberste Leitung in die Pflicht. Die Geschäftsführung trägt die Rechenschaft für die Wirksamkeit des QMS und kann sie nicht an QM-Beauftragte delegieren. Sie stellt die nötigen Ressourcen bereit und sorgt im Sinne der Kundenorientierung dafür, dass Ihr Unternehmen Kundenanforderungen dauerhaft erfüllt.
Neu in der Ausgabe 2026: Laut DIN Media fördert die oberste Leitung künftig ausdrücklich eine Qualitätskultur sowie ethisches Verhalten. Im Audit zeigen Sie, wie Führungskräfte Qualität vorleben. Beispiele sind regelmäßige Qualitätsrunden oder ein offener Umgang mit Fehlern.
Außerdem legt die Leitung eine Qualitätspolitik fest. Diese passt zu Zweck und Kontext der Organisation und greift in der Ausgabe 2026 auch die strategische Ausrichtung auf. Abschließend weist die Leitung Rollen und Befugnisse zu und macht sie im Unternehmen bekannt. Ein Organigramm mit Verantwortungsmatrix ist dafür ein gängiger Nachweis.
Kapitel 6: Planung
Kapitel 6 behandelt die Planung und enthält die meistdiskutierte Änderung der Ausgabe 2026. Bisher fasste Abschnitt 6.1 Risiken und Chancen zusammen, sodass Chancen oft nur als Randnotiz in der Risikomatrix landeten.
Die neue Ausgabe trennt beide Themen:
- Maßnahmen zu Risiken: Sie bewerten, was Ihre Ziele gefährden kann, und planen passende Gegenmaßnahmen
- Maßnahmen zu Chancen: Sie identifizieren eigenständig, was Ihre Ergebnisse verbessern kann, etwa neue Märkte oder Technologien, und planen, wie Sie diese nutzen
Für Ihr Audit heißt das: Ein reines Risikoregister reicht künftig nicht mehr aus. Halten Sie Chancen mit eigenen Maßnahmen und Verantwortlichen fest.
Darüber hinaus legen Sie messbare Qualitätsziele mit Verantwortlichen und Terminen fest. Außerdem verlangt die Norm, dass Sie Änderungen am QMS geplant umsetzen.
Kapitel 7: Unterstützung
Kapitel 7 sichert die Grundlagen Ihres QMS. Sie stellen die nötigen Ressourcen bereit, darunter Personal und Infrastruktur. Messmittel kalibrieren Sie, wenn Messergebnisse für die Produktqualität relevant sind. Außerdem sichern Sie das Wissen der Organisation.
Bei der Kompetenz legen Sie fest, was Mitarbeitende in qualitätsrelevanten Rollen können müssen, und weisen das nach. Typische Nachweise sind Qualifikationsmatrizen und Schulungsnachweise. Eine Schulung zu den Anforderungen der DIN EN ISO 9001 hilft vor allem QM-Beauftragten und internen Auditoren, die Norm sicher anzuwenden. Für alle anderen Mitarbeitenden genügt meist eine kompakte Einweisung in die Qualitätspolitik und die eigene Rolle.
Beim Bewusstsein kommt 2026 ein Punkt hinzu: Mitarbeitende kennen die Qualitätskultur der Organisation und das erwartete ethische Verhalten. Außerdem regeln Sie, wer intern und extern zu Qualitätsthemen kommuniziert. Die Anforderungen an die dokumentierte Information erklären wir weiter unten.
Kapitel 8: Betrieb
Kapitel 8 ist das umfangreichste der Norm. Es beschreibt, wie Sie Produkte und Dienstleistungen planen und unter beherrschten Bedingungen erbringen. Die Anforderungen folgen dem Weg vom Auftrag bis zur Auslieferung:
- Betriebliche Planung und Steuerung: Kriterien für Prozesse festlegen und Ressourcen planen
- Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen: mit Kunden kommunizieren und Anforderungen vor der Auftragsannahme bewerten
- Entwicklung: Entwicklungsprojekte in Phasen planen und Ergebnisse prüfen
- Steuerung externer Anbieter: Lieferanten nach festen Kriterien auswählen und regelmäßig bewerten
- Produktion und Dienstleistungserbringung: unter gelenkten Bedingungen arbeiten und die Rückverfolgbarkeit sichern
- Freigabe: Produkte und Dienstleistungen erst nach erfolgreicher Prüfung ausliefern
- Nichtkonforme Ergebnisse: fehlerhafte Ergebnisse kennzeichnen und ihre unbeabsichtigte Nutzung verhindern
Dienstleister ohne eigene Entwicklung können die Anforderungen an die Entwicklung häufig ausschließen, sofern sie das im Anwendungsbereich begründen.
Kapitel 9: Bewertung der Leistung
Kapitel 9 prüft, ob Ihr QMS wirkt. Dafür legen Sie fest, welche Kennzahlen Sie überwachen und wann Sie die Ergebnisse auswerten. Typische Kennzahlen sind die Reklamationsquote oder die Liefertermintreue.
Die Kundenzufriedenheit erfassen Sie systematisch. Wie, lässt die Norm offen. Umfragen eignen sich dafür ebenso wie eine Auswertung von Reklamationen.
Interne Audits führen Sie in geplanten Abständen durch. Ein Auditprogramm legt fest, welche Prozesse Sie wann prüfen. Achten Sie darauf, dass Auditoren nie ihre eigene Arbeit bewerten. So bleibt das Ergebnis objektiv.
Die Managementbewertung schließt den Kreis. Die oberste Leitung prüft in festen Abständen, ob das QMS seine Ziele erreicht und zur Strategie passt. Als Eingaben dienen unter anderem Auditergebnisse und Kundenfeedback. Am Ende stehen Entscheidungen zu Verbesserungen und Ressourcen, die Sie dokumentieren.
Kapitel 10: Verbesserung
Kapitel 10 schließt den PDCA-Zyklus aus Planen, Umsetzen, Prüfen und Handeln. Treten Nichtkonformitäten auf, reagieren Sie in zwei Schritten. Zuerst korrigieren Sie den Fehler und begrenzen die Folgen. Danach ermitteln Sie die Ursache und leiten Korrekturmaßnahmen ab, damit der Fehler nicht erneut auftritt.
Methoden wie die 5-Why-Analyse oder das Ishikawa-Diagramm helfen Ihnen bei der Ursachenanalyse. Anschließend prüfen Sie, ob die Maßnahme gewirkt hat. Auditoren schauen hier genau hin: Die Norm verlangt ausdrücklich, dass Sie die Wirksamkeit jeder Korrekturmaßnahme bewerten und das Ergebnis dokumentieren.
Darüber hinaus verlangt die Norm fortlaufende Verbesserung. Sie entwickeln die Eignung und Wirksamkeit Ihres QMS kontinuierlich weiter. Die Ergebnisse aus Kapitel 9 liefern dafür die Grundlage. Verbesserung muss dabei kein Großprojekt sein. Auch kleine Anpassungen im Alltag zählen, solange Sie diese nachvollziehbar festhalten.